Stiftskirche Philippus und Jakobus Bad Grönenbach

Wie viele Bergkirchen ist wohl auch unsere jetzige Kirche auf dem Stiftsberg aus einer Burg hervorgegangen. Ausgrabungen bei der Renovierung 1960-1966 deuten darauf hin.

Die erste Kirche an dieser Stelle wurde am 27. Mai 1136 durch Bischof Walter von Augsburg zu Ehren der hlg. Apostel Petrus, Philippus und Jakobus und vieler Märtyrer eingeweiht. Von diesem romanischen Gotteshaus ist heute noch die Krypta und das Untergeschoß des Turmes vorhanden. Da die Kirche im Laufe der Zeit zu klein oder baufällig wurde, errichtete man etwa 300 Jahre später an gleicher Stelle eine neue. Sie wurde am 15. Oktober 1445 eingeweiht. Diese gotische Kirche ist im Grunde genommen heute noch vorhanden.

50 Jahre später wurde sie um ein Joch verlängert und um zwei Schiffe erweitert. Über dem bisherigen Dachstuhl breitete man einen neuen aus. Auf dem Dachboden der Kirche sind heute noch zwei übereinanderliegende Dachkonstruktionen zu bewundern. Anlaß für diese tiefgreifenden baulichen Veränderungen war die Errichtung des Kollegiatstifts im Jahre 1479. Die Pfarrkirche, die nunmehr den Rang einer Stiftskirche hatte, wurde am 5. Juli 1495 von Weihbischof Johannes von Augsburg zu Ehren der Apostel Philippus und Jakobus eingeweiht.
Während die Architektur im großen und ganzen unbeschadet die 500 Jahre seit ihrer Erbauung überstanden hat, wurde die Ausstattung nach dem Geschmack der jeweiligen Zeit immer wieder verändert, ja geradezu ausgewechselt. Ab 1663 barockisierte man die Stiftskirche. Sie bekam die Rundbogenfenster, die heute noch vorhanden sind. Sebastian Schöpf aus Schongau malte neue Altäre. In einem Visitationsbericht von 1683 heißt es „Die Kirche ist prächtig ausgeschmückt und hat eine mit großem Kostenaufwand hergestellte Kanzel erhalten„.

1698 wurde die Stiftskirche erneut repariert. Bei diesem Anlaß fanden die Zimmerleute in einem alten Gerüstloch 30 Mark und 10 Lot Silber, von allerlei Kirchengeräten stammend. Davon ließ Dekan Koller bei Goldschmied Michael Mayr in Augsburg eine kostbare Monstranz fertigen. Sie kostete die stolze Summe von 515 Gulden. Dieses Juwel Augsburger Goldschmiedekunst ist aus Silber getrieben. feuervergoldet und reich mit Figuren besetzt. Die Monstranz wiegt 13 Pfund.

Wie sein Vorgänger und sein Nachfolger gehörte Dekan Koller einer Priestergemeinschaft an, die ein gemeinsames geistliches Leben der Weltpriester zum Ziel hatte. Die „Bartholomäer” waren große Herz-Jesu-Verehrer. Deshalb ließ Dekan Koller, wiederum auf eigene Kosten, 1713 in der Stiftskirche einen neuen Altar errichten zu Ehren des Heiligsten Herzen Jesu und der 14 Nothelfer. Im gleichen Jahr gründete er eine Herz-Jesu-Bruderschaft. Dieses intensive religiöse Leben der Pfarrgemeinde hatte eine weitere Verschönerung der Stiftskirche zur Folge. Es wurden wertvolle Paramente und Gefäße angeschafft und die barocke Ausstattung der Kirche vervollständigt. Dem Chorgestühl mit je 12 Stallen und einem Beichtstuhl folgten das Laiengestühl und die Beichtstühle im Schiff.

Auch 1784 wurde in der Stiftskirche viel verändert: Die Sakristei, die früher an der Nordseite der Kirche angebracht war und alle Fenster des Chors verdeckt hatte, wurde abgebrochen und als Rundturm an die Stirnwand des Chors angebaut. Sie enthält heute noch neben den Schränken aus der Entstehungszeit eine Anrichte von 1534. Unter der Sakristei befand sich früher das Beinhaus.

1884 wurde die Stiftskirche neugotisch ausgestaltet. In der Zeit des Nationalismus hatte man keinen Gefallen mehr an dem „verzopften Barock”, Gotik war modern. So wurden alle Barockspuren entfernt, mit Ausnahme der Fensterbogen im Langhaus und des Herz-Jesu-Altares. Auch das Chor- und Laiengestühl und die Beichtstühle durften bleiben. Die Ausstattung war üppig und solide. Die Kirche machte einen imposanten Eindruck.

Wir wissen das so genau, weil diese neugotische Fassung erst 1960 dem Modernisierungswahn dieser Zeit zum Opfer fiel. Es waren die Jahre. in denen eine geistige Revolution stattfand. Alles, was mit Gefühl und Herz zu tun hatte, wurde als wertloser Kitsch abgetan. Die Altare verschwanden auf dem Dachboden, die Kanzel und die beiden Emporen wurden zerstört. Die alte Schwarzbauerorgel hatte sich sang- und klanglos davongemacht. Sogar das Chorgestühl, die Beichtstühle und die Kirchenbänke aus dem 18. Jahrhundert fanden keine Gnade. Man wollte die Kirche zeitgemäß und liturgiefähig machen.Weil die Kirche wegen der unsachgemäßen Beheizung sehr bald verschmutzte, wurde nach wenigen Jahren der Ruf nach einer „Gegenrenovierung“ laut.
Anlässlich der 500-Jahrfeier des Stifts 1979 beschloss die Kirchenverwaltung, die Pfarrkirche aus Dankbarkeit gegenüber den Stiftern fortan wieder Stiftskirche zu nennen. Außerdem sollte sie zu ihrem 500. Geburtstag im Jahre 1995 außen und innen erneuert werden.

Die Außenrenovierung fand 1984 statt. Die Innenrenovierung nahm sieben Jahre in Anspruch – von 1988-1995.